Was passiert beim Dreh am Thermostat?

Um nachzuvollziehen was beim Dreh am Thermostat passiert, möchte ich zunächst kurz erklären wie ein Thermostat funktioniert.

Ein Thermostat regelt den Heizwasserdurchfluss am Heizkörper oder an der Fußbodenheizung in Abhängigkeit der Raumtemperatur. Er besteht dabei aus dem Thermostatventil, das den Zulauf zum Heizkörper öffnet oder schließt und dem Thermostatkopf, der das Ventil steuert.

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Der Dreh am Thermostat, stellt dabei also eine Raumtemperatur ein, die über die Heizflächen erreicht werden soll. Übrigens: Auch wenn die Temperatur im Raum durch ein voll aufgedrehtes Thermostat höher wird, wird es nicht schneller warm. Denn bis zum Erreichen der eingestellten Temperatur wird das Ventil in der Regel in beiden Fällen voll geöffnet.

Wenn das Thermostat geöffnet wird  

Wird das Thermostat aufgedreht, fließt Heizungswasser durch die angebundenen Heizflächen und der betreffende Raum wird warm. Zeitversetzt, wird die Wärme dabei neben der Raumluft auch an Wände, Decken und Böden abgegeben und in diesen gespeichert. Im Gegensatz zu Heizkörpern, bei denen eine Heizwirkung meist sehr schnell spürbar ist, geben Fußbodenheizungen die transportierte Wärme in der Regel zuerst an Beton, Estrich und Bodenbelag ab. Die Heizwirkung im Raum wird dadurch zeitverzögert spürbar.

Wenn das Thermostat geschlossen wird

Wird das Thermostat zugedreht, fließt kein Heizungswasser mehr durch die Heizflächen und die Heizung muss weniger leisten. Während eine Fußbodenheizung auf Grund der im Boden gespeicherten Wärme länger nachheizt, verlieren Heizkörper recht schnell Ihre Wirkung.

Bei beiden Systemen kühlen die Räume mit der Zeit aus. Ist das Gebäude dabei gut isoliert, kann die Wärme, wie in einer Thermoskanne, länger gehalten werden.

Ist das Zudrehen der Thermostate sinnvoll?

Die Antwort auf diese Frage ist abhängig vom Gebäude und der installierten Anlage.

In Einfamilienhäusern oder Reihenhäusern mit eigener Heizungsanlage

In vielen Einfamilienhäusern ist es möglich, die Heizung zeitabhängig zu steuern. Das heißt, je nach eingegebenem Profil kann das Gebäude mit unterschiedlichen Temperaturen beheizt werden. Folgendes Beispiel ist typisch für die Einstellung der Heizung im Einfamilienhaus.

Während die Heizung morgens sowie nachmittags und abends für mollige Temperaturen im Haus sorgt, wird die Temperatur am Tage und in der Nacht abgesenkt um unnötige Verluste zu vermeiden. Die folgende Skizze verdeutlicht den Tagesverlauf bildlich. 

Wird die Heizung auf diese Weise zentral geregelt, hat das Zudrehen der Thermostate nur wenig Einfluss auf Effizienz und Heizkosten. Denn die Temperaturen werden bereits zentral abgesenkt um unnötige Verluste zu vermeiden. Das Thermostat kann dabei kontinuierlich auf einer Stufe stehen bleiben.  

In Häusern mit verschiedenen Nutzeinheiten

Anders als bei Einfamilienhäusern kann das Zudrehen der Thermostate in Büro- oder Miethäusern durchaus sinnvoll sein. Denn hier gibt die Heizung solange Wärme ab, wie sie angefordert wird. Das heißt, egal zu welcher Zeit: Wenn das Thermostat am Heizkörper geöffnet ist, wird geheizt.

Ein Zudrehen der Thermostate in Nichtnutzungszeiten kann also beim Sparen helfen. Je Grad Celsius, um das die Durchschnittstemperatur sinkt, können etwa 6% der Heizkosten eingespart werden.

Je nach Gebäudestand und Heizungsart kann das bloße Drehen am Thermostat aber zu erheblichen Einbußen am Komfort führen. Denn in schlecht isolierten Gebäuden mit Heizkörperheizung kann es etwas dauern bis die gewünschte Temperatur wieder erreicht wird. Generell dauert das Aufheizen länger, je stärker und je länger die Temperatur abgesenkt wurde.

Um auch ohne Komfortverlust wirksam Energiekosten zu senken, können programmierbare Thermostate genutzt werden. Mit diesen Geräten, die einfach anstelle der herkömmlichen Thermostate installiert werden, kann die Temperatur der einzelnen Heizkörper zeitabhängig geregelt werden. Dabei ist es zum Beispiel möglich für jeden Tag der Woche ein eigenes Temperaturprofil einzugeben.

In Häusern mit Fußbodenheizung

Da Fußbodenheizungen als besonders träge Systeme hohe Aufheizzeiten haben und insgesamt mit niedrigen Heiztemperaturen auskommen, wirkt sich die Temperaturabsenkung nur sehr gering auf die Heizkosten aus.

In Häusern mit starkem Wärmeschutz

Neu gebaute oder effizient sanierte Gebäude haben oft einen besonders guten Wärmeschutz. Wie bei einer Thermoskanne, können sie die Wärme dabei auch bei ausgeschalteter Heizung sehr gut halten. Generell gilt: Je höher der Wärmeschutz am Gebäude, desto geringer ist die Auswirkung programmierbarer Thermostate auf die Heizkosten.

Das sollte Sie bei programmierbaren Thermostaten beachten

Berücksichtigen Sie bei der Einstellung auch mögliche Aufheizzeiten. Stellen Sie die Temperatur dazu immer etwas früher ein, als eigentlich benötigt. Da diese Zeit abhängig von der energetischen Qualität Ihres Gebäudes ist, kann sie individuell stark variieren. Die optimale Einstellung finden Sie in der Regel durch Probieren. Starten Sie mit einer Aufheizzeit von 30 min und erhöhen sie dann Schritt für Schritt um eine halbe Stunde, bis Sie einen behaglichen Zustand erreicht haben.

Vermeiden Sie auch eine zu starke Absenkung der Temperatur. Denn wird Ihr Haus oder Ihre Wohnung nicht ausreichend geheizt, kann die Schimmelgefahr steigen.

Fazit und Zusammenfassung

Das Sparen der Heizkosten mit intelligenten Thermostaten ist unter bestimmten Umständen möglich. Besonders günstig ist zum Beispiel der Einsatz programmierbarer Thermostate in schlecht isolierten Mietwohnungen oder Büroräumen. Denn hier können durch das Absenken der Raumtemperaturen hohe Wärmeverluste vermieden werden. Achten Sie dabei aber unbedingt darauf:

  • Entsprechende Aufheizzeiten zu berücksichtigen um den nötigen Komfort sicherzustellen
  • Zu niedrige Temperaturen zu vermeiden um die Schimmelgefahr zu reduzieren

Wird die durchschnittliche Temperatur in Haus oder Wohnung um 1°C herabgesetzt, können statistisch 6% Heizkosten gespart werden.

Im Gegensatz zu Mietwohnungen fällt der Spareffekt intelligenter oder programmierbarer Thermostate in Einfamilienhäusern eher gering aus. Denn hier kann die Heizung selbst die Zeitabhängige Temperaturregelung übernehmen.

Da neu gebaute oder effizient sanierte Gebäude nur geringe Wärmeverluste haben, spielt die intelligente Regelung der Thermostate auch bei diesen in den meisten Fällen nur eine untergeordnete Rolle.

Ähnlich verhält es sich auch bei Fußbodenheizsystemen, die auf Grund der Installation im Bodenaufbau sehr träge arbeiten und generell mit niedrigen Heizwassertemperaturen auskommen. Denn auch bei diesen ist eine Temperaturabsenkung nicht sinnvoll. 
Ein Beitrag von Alexander Rosenkranz

Heizkosten sparen mit intelligenten Thermostaten?

eccuro Redaktion

1 Kommentar

Marco Puchalski 13.10.2015, 08:41

 Hallo,

bei der Fußbodenheizung sollte noch differenziert werden, da eine Kapillarrohr oder auch eine Elektrofußbodenheizung sich durchaus sehr schnell erwärmt und somit die Nachteile einer konventionellen Fußbodenheizung nicht aufweist. Siehe auch http://sl-kuehldecken.de/kapillarrohrsysteme/#PP-Floor-System .

 

Eine intelligente Regelung mit Rückwirkung auf die Wärmeerzeugung hat das größte Einsparpotential und lässt sich dank vielfältiger Einstellungsmöglichkeiten optimal dem Gebäude anpassen. Auch erhält man durch eine automatische Anpassung der Start Zeit immer das optimale Wohlfühlergebnis. Darüber hinaus lässt sich durch das intelliLogging auch im Nachhinein ein Gebäude erheblich optimieren.

 

Marco Puchalski www.intelliBuilding.de

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